Prof. Christa Dürscheid, Deutsches Seminar, UZH
Prof. Elisabeth Stark, Romanisches Seminar, UZH
«Komme später. LG» Das Schreiben auf mobilen Geräten scheint zum Teil eigene Konventionen hervorgebracht zu haben. Führen diese zu orthographischer Anarchie oder gar zu einem Sprachverfall? Oder gibt es Lichtblicke: Gibt es eine neue Schriftlichkeit, eine neue sprachliche Kreativität?
Welche Erkenntnisse über die Sprache gewinnt man aus der Analyse der mobilen Kommunikation über Kurznachrichten-Dienste wie SMS und WhatsApp ? Am Science Café stellen wir Erkenntnisse aus zwei Forschungsprojekten vor, in welchen wir umfangreiche Daten zur Kommunikation via SMS und WhatsApp aus den Jahren 2009, 2011 und 2014 erhoben und teilweise bereits analysiert haben. Die Schweizer Bevölkerung stellte uns rund 26‘000 SMS und 840‘000 WhatsApp-Nachrichten zur Verfügung – allein das ist ein Lichtblick für die Forschung; insbesondere zu WhatsApp gibt es bisher noch keine vergleichbare Datengrundlage. Neben (ortho-)graphischen Auffälligkeiten werden wir ein Phänomen aus der Grammatik näher beleuchten, und zwar den Ausfall des Subjekts (« Ich komme später»), der zum Teil einleuchtenden praktischen, zum Teil eigenen grammatischen Regularitäten folgt, die uns gar nicht bewusst sind. Diese Erkenntnisse werfen ein erhellendes Licht auf die Schreibung und die Grammatik unserer Muttersprachen.